Ursachen Diabetes Typ 2

Ursachen des Diabetes Typ 2

Bei der Entstehung von Diabetes Typ 2 spielen mehrere Ursachen bzw. Auslöser eine Rolle. Dazu gehören u. a.:

  • erbliche Faktoren
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • eine verminderte Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz)
  • eine gestörte Ausschüttung von Insulin
  • sowie eine gestörte Produktion bestimmter Darmhormone.

Um die Entstehung des Diabetes Typ 2 zu verstehen, ist es hilfreich, sich den Zuckerstoffwechsel genauer anzuschauen.

 

Blutzucker bei Gesunden

Kohlenhydrate werden durch die Verdauung soweit abgebaut, dass sie in Form von Zucker bzw. Glukose von den Schleimhautzellen im Dünndarm aufgenommen und in das Blut abgegeben werden. Das Blut transportiert die Glukose zuerst in die Leber und danach zu den einzelnen Zellen der Organe und Gewebe. Gelangt Glukose in das Blut, steigt der Blutzuckerspiegel an und die Bauchspeicheldrüse gibt verstärkt Insulin ab. Insulin sorgt dafür, dass die Glukose als Energiespender in die Zellen eingeschleust wird und sich dadurch der Blutzuckerspiegel wieder absenkt. Alle Zellen verfügen auf ihrer Oberfläche über viele Insulinrezeptoren. Insulin ist dabei der „Schlüssel“, der die Zellen für die Glukose aufschließt. Glukagon, der Gegenspieler des Insulins, wird von der Bauchspeicheldrüse vermehrt ausgeschüttet, wenn sich im Blut wenig Zucker befindet (niedriger Blutzuckerspiegel). Glukagon bewirkt, dass in der Leber vermehrt Glukose gebildet (Glukoneogenese), ins Blut abgegeben und dadurch eine Unterzuckerung verhindert wird. Durch das Zusammenspiel der beiden gegensätzlich wirkenden Hormone ist der Körper normalerweise in der Lage, ohne große Schwankungen die Versorgung des Körpers mit Glukose, d. h. mit Energie, zu gewährleisten.

Zuckerstoffwechsel

Abb. 1. Zuckerstoffwechsel im Überblick

 

Blutzucker bei Diabetes

Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend und meist über viele Jahre hinweg. In der Anfangsphase der Erkrankung produzieren die Zellen der Bauchspeicheldrüse noch genügend Insulin. Mit der Zeit aber werden die Zellen der Muskeln, Leber und des Fettgewebes unempfindlicher gegenüber Insulin (Insulinresistenz). Das bedeutet, dass das Hormon immer weniger in der Lage ist, den Zucker aus dem Blut in die Zellen einzuschleusen. Als „Antwort“ versucht die Bauchspeicheldrüse diese Störung durch eine verstärkte Insulinproduktion auszugleichen. Die Insulinmenge im Blut der Betroffenen kann daher in dieser Phase der Erkrankung durchaus normal, manchmal sogar erhöht, sein. Zunächst zeigt sich ein überhöhter und verlängerter Blutzuckeranstieg nach der Zufuhr von Kohlenhydraten (gestörte Glukosetoleranz). In diesem Stadium ist der Diabetes Typ 2 mit Bewegung, Gewichtsabnahme und ggf. zusätzlich Tabletten häufig noch gut in den Griff zu bekommen. Nach vielen Jahren der ständigen Insulin-Mehrproduktion lässt die Funktion der insulinproduzierenden Zellen zunehmend nach und die Insulin-Produktion kommt schließlich völlig zum Erliegen. Dann muss sich der Betroffene das Insulin von außen zuführen, d. h. Insulin spritzen. So wird aus dem relativen Insulinmangel zu Beginn des Diabetes Typ 2 (Insulinresistenz) ein absoluter Insulinmangel. Ein Mangel an Insulin bedeutet, dass immer weniger Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, sodass die Blutzuckerwerte ansteigen und schließlich das Vollbild Diabetes erreicht ist.

Insulin-Unempfindlichkeit der Körperzellen und hoher Blutzuckerspiegel

Abb. 2. Übersicht Diabetes Typ 2: Insulin-Unempfindlichkeit und erhöhter Blutzuckerspiegel

 

Mangel an Darmhormonen als Ursache eines gestörten Zuckerhaushalts

Bei Diabetes Typ 2 kommt hinzu, dass bestimmte körpereigene Darmhormone, wie das GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1), nicht in ausreichendem Maße gebildet werden. GLP-1 wird im Darm produziert und bei der Nahrungsaufnahme ins Blut freigesetzt. Es wird jedoch relativ rasch durch ein Enzym namens DPP-4 (Dipeptidylpeptidase-4) im Körper abgebaut. Das GLP-1-Hormon wirkt regulierend auf den Zuckerstoffwechsel, in dem es die Produktion von Insulin in der Bauchspeicheldrüse stimuliert, die Produktion von Glukagon hemmt, die Entleerung des Magens verzögert und das Sättigungsgefühl stimuliert. Ein Mangel an GLP-1 ist somit die Ursache einer gestörten Zuckerverwertung im Körper.

 

Die Funktion der Niere

Die Niere erfüllt drei Schlüsselfunktionen im Glukosestoffwechsel: Sie produziert selbst Glukose, verwertet aber auch Glukose für den eigenen Stoffwechsel und sie ist verantwortlich für das Zurückgewinnen (Rückresorption) großer Mengen an Glukose aus dem Harn. 

Letzteres ist der entscheidende Punkt: Beim gesunden Menschen ist diese Rückgewinnung ein wichtiger Mechanismus. Denn er verhindert, dass der Blutzucker mit dem Harn ausgeschieden wird und somit dem Körper als wertvoller Energielieferant zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen verloren geht.

Doch bei Patienten mit Diabetes Typ 2 besteht bekanntlich ein Überfluss von Zucker im Blut. Zudem kommt hinzu, dass paradoxerweise bei Typ 2 Diabetikern die Rückresorption von Blutzucker erhöht ist. Die Ursache hierfür liegt darin, dass ein Transportprotein namens SGLT-2 (Sodium-glucose-contransporter-2), das für das Zurückgewinnen von Zucker aus dem Urin verantwortlich ist, bei Typ 2 Diabetikern vermehrt auftritt. Damit trägt die Niere bei Typ 2 Diabetikern dazu bei, den erhöhten Blutzuckerspiegel aufrechtzuerhalten.