Folgeerkrankungen Diabetes

Folgeerkrankung bei Diabetes – oft zu spät erkannt

Weil ein hoher Blutzucker keine Schmerzen verursacht, werden die Gefahren und Folgen oft unterschätzt. Diabetes Typ 2 ist jedoch eine fortschreitende Erkrankung, deren Spätfolgen beinahe jeden Bereich des Körpers betreffen können. Bereits geringfügig erhöhte Blutzuckerwerte können zu gefährlichen Veränderungen an den kleinen und großen Blutgefäßen des Körpers und zu Nervenschäden führen. Aus diesem Grund versterben 2/3 aller Diabetiker vorzeitig an einem Herzinfarkt oder und Schlaganfall. Das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, ist für Patienten mit Diabetes zwei- bis dreimal höher als bei Nicht-Diabetikern. Auch Amputationen, Sehstörungen, Nierenschädigungen und Sexualstörungen sind häufig Spätfolgen eines Diabetes. Umso wichtiger ist es deshalb, Diabetes möglichst frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Gefäß- und Nervenschäden bei Diabetes

Abb. 1. Mögliche Folgeschäden des Diabetes

 

Herz-Kreislauf-System: Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK)

Die hohe Konzentration von Blutzucker schädigt die Gefäßwände, es kommt zu Ablagerungen (Arterienverkalkung oder auch Arteriosklerose genannt), die den Blutfluss zunehmend einschränken. Daher ist der Transport von Sauerstoff und Nährstoffen zu den Organen eingeschränkt. Dies gilt sowohl für die großen Blutgefäße als auch für die feinen Haargefäße (Kapillaren). In den verengten Gefäßen am Herzen können sich zudem Gerinnsel bilden, die das Gefäß verstopfen, sodass die Durchblutung der Herzkranzgefäße eingeschränkt ist, was zu einem Herzinfarkt führen kann. Durchblutungsstörungen der Hirngefäße können entsprechend einen Schlaganfall nach sich ziehen. Durchblutungsstörungen können außerdem in den Bauch- und Nierenarterien sowie im Bereich der Beine auftreten (periphere arterielle Verschlusskrankheit, paVK). Bei paVK spüren die Betroffenen schon nach kurzen Wegstrecken krampfähnliche Beschwerden und Schmerzen in den Beinen, die immer wieder zum Anhalten zwingen (Schaufensterkrankheit). In manchen Fällen klagen die Patienten auch über beständig kalte Füße und Missempfindungen wie Ameisenlaufen oder Taubheit. Ist die Erkrankung bereits sehr weit fortgeschritten, kann Gewebe absterben und gegebenenfalls muss sogar amputiert werden.

 

Folgeerkrankungen der Augen: diabetische Retinopathie

Eine durch Diabetes verursachte Schädigung der feinen Gefäße im Augenhintergrund, medizinisch Retinopathie genannt, bleibt häufig zunächst unbemerkt. Im fortgeschrittenen Stadium können sich Sehstörungen in Form von dunklen Flecken, roten Schleiern bzw. verschwommenes oder unscharfes Sehen bemerkbar machen. Eine Ablösung der Netzhaut kann sich in Symptomen wie „Lichtblitze“ und „Rußregen“ zeigen und schließlich sogar zur Erblindung führen. Die diabetische Retinopathie ist in den westlichen Industrienationen die häufigste Erblindungsursache bei Menschen im erwerbsfähigen Alter. Jährlich erblinden in Deutschland 1700 Diabetiker- fünfmal mehr als Nicht-Diabetiker. Weitere Komplikationen sind eine Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom, grüner Star) und Linsentrübungen (grauer Star).

 

Nerven: diabetische Neuropathie

Die diabetische Nervenerkrankung (diabetische Neuropathie) tritt häufig bei längerer Diabetesdauer und schlechter Stoffwechseleinstellung auf. Sie kann zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen und die Lebensqualität deutlich einschränken. Bei der diabetischen Polyneuropathie sind die peripheren Nerven betroffen und können Störungen in der Berührungs- und Schmerzwahrnehmung sowie der Regulation von Atmung, Herzfrequenz, Magen-Darmbewegungen, Sexual- und Blasenfunktion verursachen. Auch bei der Entstehung des diabetischen Fußes spielt die diabetische Polyneuropathie eine wichtige Rolle.
Eher selten kommt es zu Schädigungen einzelner Nerven (Mononeuropathie), die beispielsweise Lähmungen von Augen- oder Gesichtsmuskeln verursachen können. Die Anfangsphase der Neuropathie verläuft meist beschwerdefrei und wird daher oft übersehen. Der Arzt kann jedoch mit bestimmten Untersuchungen prüfen, ob zum Beispiel das Vibrations-, Wärme- und Kälteempfinden oder Muskeleigenreflexe bereits gestört sind.

 

Füße: Diabetischer Fuß

Durchblutungsstörungen in den kleinsten Gefäßen und Schädigung der Nerven begünstigen die Entstehung eines diabetischen Fußes. Schmerzen, Wärme und Berührungsreize an den Füßen werden dann kaum noch oder nicht mehr wahrgenommen. So können unbemerkt Druckstellen und Verletzungen entstehen, die lange unbemerkt bleiben und sich mit Bakterien infizieren können. Die schlechte Durchblutung der Füße bewirkt zudem, dass die lmmunzellen kaum zum Ort der Entzündung gelangen. lm Extremfall können Zehen, der gesamte Fuß oder sogar ein Unterschenkel betroffen sein. Wenn sich die Entzündung nicht mehr durch Medikamente (Antibiotika wie z. B. Penicillin) behandeln lässt, bleibt zuletzt nur noch eine Amputation der betroffenen Gliedmaße.

 

Die Folgen betreffen häufig die Nieren: diabetische Nephropathie

Durch den anhaltend hohen Blutzucker verdicken sich auch die Wände der kleinen Blutgefäße in den Nieren, deren Filtersystem dadurch mit der Zeit immer „löchriger" wird. Kleinste Eiweißmoleküle (Albumin) können jetzt durch den Filter schlüpfen und gehen so dem Stoffwechsel verloren. Neben dem Eiweißverlust kommen im fortgeschrittenen Stadium Störungen des Wasser- und Salzhaushaltes auf und der Blutdruck steigt an. Unbehandelt kann es in wenigen Jahren zum völligen Nierenversagen kommen, sodass der Betroffene ab diesem Zeitpunkt eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) benötigt. Bei der Hämodialyse wird das Blut durch Maschinen außerhalb des Körpers „gewaschen“, bei der Peritonealdialyse geschieht dies durch regelmäßige Einleitung von Spülflüssigkeit in die Bauchhöhle. Ein Drittel aller Patienten in Deutschland, die sich regelmäßig einer Blutwäsche (Dialyse) unterziehen müssen, sind Diabetiker. Symptome einer diabetesbedingten Nierenschädigung können Leistungsschwäche, allgemeines Unwohlsein, Müdigkeit, Juckreiz, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Gewichtszunahme sein. Weitere Auffälligkeiten sind Wassereinlagerungen im Gewebe der Arme und Beine (Ödeme).

 

Folgeerkrankungen der Geschlechtsorgane: Sexualstörungen, Harnwegs- und Genitalinfektionen

Auch hier kann Diabetes eine Rolle spielen. Sowohl die diabetesbedingten Durchblutungsstörungen als auch die Schädigung der Nervenfasern können bei Frauen und Männern zu Sexualstörungen führen.
Während bei Männern die Erektionsfähigkeit nachlässt, kann es bei Frauen zu Empfindungsstörungen und trockener Vaginalschleimhaut kommen. Auch Infektionen der Harnwege und der Genitalregion sind eine häufige Komplikation bei Typ 2 Diabetikern, insbesondere Frauen. Die Mehrzahl dieser Infektionen ist jedoch in der Regel mit der richtigen Therapie einfach zu behandeln.

 

Gesundheitspass Diabetes zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen

Der Gesundheitspass Diabetes zielt darauf ab, die Versorgung von Menschen mit Diabetes zu verbessern. Ihr Arzt dokumentiert darin alle wichtigen Untersuchungen. Zudem können Sie darin mit Ihrem Arzt gemeinsam Behandlungsziele festlegen.
Hier können Sie sich den Gesundheitspass Diabetes herunterladen.