Verschiedene Typen des Diabetes betreffen Menschen in unterschiedlichen Altersgruppen und Lebenslagen

Formen des Diabetes

Bei Diabetes mellitus unterscheidet man verschiedene Diabetesformen. Allen Formen gemeinsam ist ein dauerhaft zu hoher Blutzucker, man spricht auch von Hyperglykämie. Wichtig sind Diabetes mellitus Typ 1 und 2 und der so genannte Schwangerschafts- bzw. Gestationsdiabetes. Außerdem gibt es noch weitere, seltenere Diabetesformen. Bei Kindern ist Diabetes die häufigste Stoffwechselstörung.

 

Diabetes Typ 1

Diese Diabetesform macht etwa 3-5 % aller Diabetesfälle aus und tritt insbesondere im Kindes- und Jugendalter auf, kann aber auch später im Erwachsenenalter eintreten. Früher wurde Diabetes Typ 1 auch als jugendlicher oder juveniler Diabetes bezeichnet.

Ursache ist eine Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen in den Langerhansschen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) durch einen Autoimmunprozess. Für das Entstehen eines Typ 1 Diabetes sind vermutlich erbliche Veranlagung, äußere Faktoren (z. B. bestimmte Virusinfektionen) und eine Fehlsteuerung des Immunsystems verantwortlich. Dabei richten sich körpereigene Abwehrzellen (Antikörper) gegen die insulinproduzierenden Zellen (Betazellen) der Bauchspeicheldrüse und zerstören diese. Die wichtigsten Antikörper beim Typ 1 Diabetes sind zytoplasmatische Inselzell-Antikörper (ICA), Insulin-Autoantikörper (IAA), Antikörper gegen das Enzym Glutamatdecarboxylase (GADA) und Antikörper gegen die Tyrosinkinase IA-2 (IA-2A). Diese Antikörper sind schon Monate bis Jahre vor Ausbruch des Diabetes im Blut nachweisbar.

Die Folge der zerstörten Betazellen ist ein Mangel an Insulin, sodass Glukose nicht mehr in die Körperzellen aufgenommen werden kann und der Blutzuckerspiegel ansteigt. Weil ein absoluter Insulinmangel vorliegt, muss Insulin von außen zugeführt werden.
Diabetes Typ 1 wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 3-5 % von einem Elternteil auf ein Kind vererbt. Sind beide Eltern an Typ 1 Diabetes erkrankt, steigt das Risiko auf 10-25 % an. Neben dieser Veranlagung müssen äußere Faktoren vorhanden sein, damit die Erkrankung zu Tage tritt. Vermutlich spielen hier Virusinfektionen und Ernährungsfaktoren eine Rolle.

 

Diabetes Typ 2

Dies ist mit über 90 % die mit Abstand häufigste Diabetesform. Früher wurde sie auch als Altersdiabetes bezeichnet, weil vor allem ältere Menschen betroffen sind. In der heutigen Zeit gehören jedoch zunehmend auch jüngere Menschen dazu, weil die Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel immer häufiger schon in jungen Jahren vorhanden sind. Beide Risikofaktoren führen zu einer verminderten Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz) und zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Außerdem geben die Betazellen nach einer Mahlzeit das Insulin zu langsam ab. Diese Störungen führen dazu, dass das Hormon Insulin seine Aufgaben im Körper nicht mehr richtig erfüllen kann. Meist verlaufen diese Prozesse jedoch schleichend, sodass die Erkrankung häufig erst spät erkannt wird, wenn bereits Folgeerkrankungen aufgetreten sind.

Die Vererbung spielt beim Diabetes Typ 2 eine wichtige Rolle. Das Erkrankungsrisiko für eineiige Zwillinge von Typ 2 Diabetikern beträgt 50-90 %. Heutzutage weiß man allerdings, dass neben der erblichen Veranlagung zusätzlich äußere Faktoren wie Fehlernährung, Übergewicht oder Bewegungsmangel hinzukommen müssen, damit sich ein Diabetes Typ 2 entwickelt.
Diabetes Typ 2 und auch seine Vorstadien treten häufig gemeinsam mit anderen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Man spricht von einem „Metabolischen Syndrom“, wenn folgende Faktoren vorhanden sind:

  • Bauchumfang ≥94 cm (Männer) bzw. ≥80 cm (Frauen)
  • zusätzlich zwei der folgenden Faktoren:
    • Triglyzeride ≥150 mg/dl oder entsprechende Therapie
    • HDL-Cholesterin <40 mg/dl (Männer) bzw. <50 mg/dl (Frauen) oder entsprechende Therapie
    • Blutdruck systolisch ≥130 mmHg oder diastolisch ≥85 mmHg oder blutdrucksenkende Therapie
    • Nüchternglukose ≥100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l oder bekannter Diabetes Typ 2

 

Schwangerschaftsdiabetes

Unter Schwangerschaftsdiabetes oder Gestationsdiabetes versteht man einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel der Mutter, der erstmals während der Schwangerschaft auftritt. Möglicherweise bestand der Diabetes aber auch schon unerkannt vor der Schwangerschaft. Etwa 4 % aller Schwangeren sind von einem Schwangerschaftsdiabetes betroffen, der unbehandelt erhebliche Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind mit sich bringt. Meist tritt ein Schwangerschaftsdiabetes in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche auf. In dieser Zeit nimmt hormonbedingt die Insulinempfindlichkeit der Zellen ab und der Blutzucker kann leicht ansteigen. Bei Frauen mit Gestationsdiabetes steigt der Blutzucker während der Schwangerschaft jedoch deutlich über das normale Maß hinaus an. Nach der Entbindung normalisiert sich der Blutzucker wieder, allerdings entwickeln 30-50 % der Frauen in den Folgejahren Diabetes Typ 2 oder Typ 1. Ein Schwangerschaftsdiabetes scheint außerdem das Risiko für das Kind zu erhöhen, später übergewichtig zu werden und einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln.

Folgende Risikofaktoren für die Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes sind bekannt:

  • Alter über 30 Jahre
  • Diabetes in der Familie
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Früher bereits aufgetretener Schwangerschaftsdiabetes oder die Geburt eines mehr als 4 Kilogramm schweren Kindes in der Vergangenheit

 

Weitere Diabetesformen

Neben den genannten gibt es weitere, eher seltene Diabetesformen. Diabetes kann beispielsweise durch Erkrankungen wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, Hormonstörungen oder Medikamente ausgelöst werden. Zwei weitere Sonderformen sind LADA und MODY. LADA steht für „late autoimmune diabetes in adults“ und bedeutet, dass ein Typ 1 Diabetes vorliegt, der spät im Erwachsenenalter auftritt.
MODY bedeutet „maturity onset diabetes in the young“. Dieser Form liegen genetische Störungen des Glukosestoffwechsels zugrunde, die mit einem Diabetes mellitus verbunden sind und familiär vererbt werden.

 

Diabetes bei Kindern

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindesalter. Meist handelt es sich um Diabetes Typ 1, aber auch Diabetes Typ 2 wird beobachtet. Experten haben festgestellt, dass weltweit die Zahl der kindlichen Typ 1 Diabetiker zunimmt, vor allem bei Kleinkindern. Die Ursachen dieses Anstiegs sind bislang unbekannt. Nach aktuellen Schätzungen leben in Deutschland ca. 17.500 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 14 Jahren mit einem Typ 1 Diabetes. In der Altersgruppe von 0 bis 19 Jahren sind etwa 30.500 Kinder und Jugendliche von einem Typ 1 Diabetes betroffen. Besorgniserregend ist auch die Zahl der Jugendlichen, die schon in jungen Jahren übergewichtig sind und in der Folge an Diabetes Typ 2 erkranken: Jährlich gibt es etwa 200 Neuerkrankungen. Experten fordern deshalb, bei Jugendlichen mit Adipositas einen Glukosetoleranz-Test durchzuführen, um schwere Folgeerkrankungen zu vermeiden.