Expertenforum » Typ II: Remissionsphase & generelle Fragen

Fabian
26.08.2020 11:16:29 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, herzlichen Dank im Voraus für Ihre Geduld und Hilfe! Ich bin 41 Jahre alt und habe vor zwei Jahren die Diagnose Diabetes Typ II bekommen mit einem HBA1C-Wert von 13+. Dank Umstellung Ernährung, Metformin, Gewichtsverlust und vor allem viel, viel Sport habe ich den Wert ein halbes Jahr später auf 5,5 gesenkt bekommen. Damals habe ich dann das Metformin auch abgesetzt, mein letzter HBA1C im März war bei 6,1. In Sachen Gewicht habe ich mich von 86kg auf 75kg bei 1,74m reduziert. Soweit ich das aus meiner Laiensicht verstehe befinde ich mich in einer Remissionsphase, meine Frage hierzu: Wie lange kann die bei einem Typ II andauern? Ist man während der Remissionsphase auch vor Langzeitschäden geschützt? Werden die kapilaren Blutgefäße nicht "verklebt", sondern kann man relativ unbeschwert weiterleben (solange man sich an die umgestellte Lebensform hält)? Ist es quasi so für mich möglich die nächsten 20 - 30 Jahre ohne Symptome leben zu können? Darüber hinaus noch eine Frage basierend auf noch mehr gefährlichem Halbwissen (mit der Bitte um Korrektur :) ): Typ II bedeutet ja einfach gesprochen die Unfähigkeit der Zellen Insulin anzunehmen und den Zucker zu verarbeiten, oder? Mit Sport verbrennt man nicht nur mehr Kalorien und senkt so den Blutzuckerspiegel, sondern baut auch neue Muskulatur auf (Wenn man jetzt nicht nur Ausdauersport betreibt). Sind diese neuen Muskelzellen dann wieder fähig Insulin zu verarbeiten, oder ist quasi das "Zellmuster" kaputt und auch die neuen Zellen haben den Defekt? Wenn die neuen Muskelzellen dann wieder fähig sein sollten Insulin "normal" zu verarbeiten, welchen Effekt hat dann der sogenannte "cell turnover" auf den Verlauf des Diabetes? Viele Grüße und herzlichen Dank! Fabian #Motivation/Anregungen für alle Leser 1.) Macht Sport! Nehmt Euch die Zeit! Es hilft bei so vielen Themen, nicht nur Eurem Diabetes! Gesundheitlich, aber auch psychisch. Es ist keine Last, es befreit Euch im Endeffekt! Sucht Euch eine Bewegungsart, die Euch gefällt und bewegt Euch. Genießt die Bewegung, sie ist nicht Euer Feind, die Bequemlichkeit ist es! Habt Spaß und Freude an der Bewegung. Lasst vielleicht sogar die ganzen Apps und Communities weg, bewegt Euch für Euch selbst, für Euren Körper, für Eure Gesundheit. Nicht um andere zu beeindrucken. 2.) s.o 3.) s.o 4.) Vermeidet Weizen, Weizen ist quasi wie Zucker. Die Kohlenhydrate sind so kurz, das könnt Ihr gleich Cola trinken. 5.) Befolgt auch die sonstigen, gängigen Empfehlungen: Fast Food, TK-Kost, Süßigkeiten etc. alles super bequem und teilweise auch mal lecker, aber einfach mal reduzieren bzw. weglassen (vor allem Fast Food und TK-Kost, taugt ja eh recht wenig). 6.) Vergesst trotzdem nicht das Leben zu genießen, aber wenn dann mit Qualität, statt Quantität! Ein gutes Stück Schokolade, schmeckt besser als ein ganzer Riegel Billigzeug. :)

Prof. Dr. Stephan Martin
28.08.2020 14:44:57 Uhr

Das sind viele Frage, aber zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung. Diabetische Komplikation sind eng mit erhöhten HbA1c Werten verbunden. Liegt der HbA1c unter 7% ist die Wahrscheinlichkeit Schäden an Nerven, Augen, kleinen Gefäßen oder Nieren zu entwickeln nicht vorhanden. Die große Gefäße werden zusätzlich durch Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Nikotin geschädigt.
Die Dauer einer Remission ist schwer abschätzbar, da man bis vor wenigen Jahren davon ausging "einmal Diabetes - immer Diabetes". Wissenschaftliche Daten aus der DiRECT Studie in England zeigen, dass bei einer Gewichtsabnahme und Gewichtshalten von > 15 kg nach 2 Jahren sich fast 80% in einer klinischen Remission befinden. Ich selber kenne Patienten, bei denen das schon über 10 Jahre anhält.
Die Verbesserung der Insulinwirkung ist ein sehr komplexer Prozess bei dem insbesondere das in der Leber gespeicherte Fett eine Rolle spielt. Durch die Gewichtsabnahme sinkt der Fettgehalt in der Leber. Die exakten Wirkungen sind noch nicht so ganz verstanden.


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