Expertenforum » Massive Stofwechselentgleisung

Eagle429
18.03.2017 23:46:24 Uhr

Ich mache mir große Sorgen aufgrund der aktuellen Blutwerte, die wohl eine massive Stoffwechselentgleisung signalisieren. Im Oktober 2016 wurde der HbAc1- Wert von 7,5 festgestellt,der Nüchternzuckerwert lag bei 140. Der Hausarzt verschrieb mir daraufhin 1 Tabl. Metformin tri 500 morgens. Da ich in der Vergangenheit immer wieder unter Ödemen in den Beinen/Füssen litt, bekam ich zusätzlich Dehydrosanol (1x täglich) verschrieben. Für eine Herzschwäche gab es bislang keine Indizien – Ruhe-EKG und Belastungs-EKG waren o.B. – allerdings liegt die Untersuchung 2 Jahre zurück. Die Wassereinlagerungen waren wohl maßgeblich durch Übergewicht und mangelnde Bewegung bedingt, obwohl sie mitunter auch nach Bewegung auftraten. Weiterhin nehme ich schon länger 2,5mg Concor 5 (1/2 Tablette täglich), um den Ruhepuls ( 85-95, manchmal auch darüber)abzusenken. Ich bin 64,5 Jahre, hatte einen sehr stressreichen Beruf und bin seit 1 ½ Jahren nun im Ruhestand. Aufgrund intensiven Süßigkeitskonsum („Stressfresser“, nachtaktiver Biorhythmus mit wenig Schlaf und wenig Bewegung) während der Berufszeit lag das Gewicht in den letzten Jahren im Allgemeinen zwischen 110-120 kg bei 178cm, obwohl meine Erscheinung dies eigentlich nicht vermuten ließ. Seit ca. 15 Jahren hatte ich fast jährlich eine Reduktions-Kur in Überlingen absolviert und mit Heilfasten, Sport und Ernährungsumstellung immer zwischen 12-14 kg in 3 Wochen abgenommen. Im Laufe eines Jahres kehrte aufgrund der unveränderten Lebens- und Berufssituation leider immer das ursprüngliche Gewicht zurück. Wichtig war beim Kuraufenthalt jedes Mal auch die Normalisierung der Blutzuckerwerte. Es lag zu Kurbeginn in den letzten Jahren meist eine Insulinresistenz mit HbAc-Werten um 6,5 vor, während die Nüchtern-Glucosewerte meist noch im Normalbereich lagen oder „nur“ bei 110-120mg. Alle Werte hatten sich beim Heilfasten schnell wieder normalisiert. Insgesamt hatte sich seit 2012 der HbAc-Wert jedoch tendenziell erhöht.

Nach dieser längeren Vorgeschichte nun zum Problem und den Fragen: Bei der jüngsten Kontrolle der Blutwerte vor 1 Woche war der HbAc1-Wert bei 12,5, der Nüchternzucker bei 284. Dies trotz der erwähnten Metformin-Einnahme, 19 kg Gewichtsreduktion und starker Einschränkung des Süßigkeiten-Konsums seit der anfangs erwähnten Bestimmung im Oktober 2016 – also innerhalb von 5 Monaten. Eine spezielle Diät hatte ich in dieser Zeit darüber hinaus jedoch nicht einzuhalten, d.h. normalgegessen wie zuvor. Die unerwarteten jüngsten Befunde haben mich sehr schockiert und besorgt. Der Arzt verschrieb mir nun 1x Metformin morgens, 2x abends und Dehydrosanol nur 3 mal wöchentlich anstatt täglich. Zudem sollte ich ein Profil erstellen. Meine erste Messung heute nach dem Mittagessen, das außer einem Schälchen frischen angemachtem Obstsalat keine wirklich kontraindizierten Nahrungsmittel enthielt (Fisch, Gemüse, einige kleine gebackene Kartoffelscheiben) ergab einen Blutzuckerwert von 355 mg/dl ! Seit dem genannten schockierenden Neubefund habe ich darüber hinaus nahezu alle zuckerhaltigen Lebensmittel gemieden, d.h. nur Mineralwasser oder ungesüßten Kaffee getrunken, Null Süßigkeiten etc. Eigentlich fühle ich mich körperlich gut, sehe nach Auskunft Unbeteiligter gut und gesund aus und habe keine Beschwerden (abgesehen allerdings von einer nach Salbenapplikation rückläufigen Balanitis) und gelegentlichen kurzen Müdigkeitsmomenten. Harndrang ist unterschiedlich, im Schnitt kommen wohl schon mind. 10 Toilettenbesuche pro Tag zusammen- wobei natürlich auch das Dehydrosanol beeinflussend sein wird. Allerdings fällt die klebrige Konsistenz bei Harn-Rückständen aufgrund des Zuckergehaltes auf. Dies hatte ich seit ca. 6 Wochen beobachtet – zuvor nicht. Der Durst ist i.a. nicht auffällig, eher trinke ich etwas zu wenig, was auch die Blutwerte widerspiegeln.

  • Ich kann mir diesen dramatischen Absturz nicht erklären und die erste Frage lautet, ob dies durch das Dehydrosanol mit verursacht worden sein kann, weil das Triamteren ja auch negative Auswirkungen auf Diabetes haben kann und/oder die Wirkung von Metformin abschwächt? Könnte auch das Concor- wenngleich sehr gering dosiert, einen negativen Einfluss haben, obwohl ich das ja schon lange nehme.
  • Nachdem die Einnahme von 1 Tablette Metformin täglich ja seit Oktober wirkungslos war, sondern es sogar zu der dramatischen Verschlechterung kam, besteht wohl die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf dieses Medikament nicht anspreche. Allerdings ist es nach 1-2 Tagen sicher zu früh, um zu beurteilen, ob die verordnete Dosiserhöhung etwas bringt (?) Welche Alternativen für orale Applikationen gibt es – abgesehen natürlich von der Insulintherapie?
  • Die Umstellung auf den Ruhestand fiel mir unerwartet schwer und führte zeitweise schon zu depressiven Verstimmungen und Einsamkeit. Obwohl ich schon immer ein Nachttyp bin, hat sich mein Biorhythmus seither weiter „verschoben“, d.h. ich gehe oft erst gegen Morgen ins Bett, bin nachts total fit und schlafe dann bis mittags. In den letzten Monaten hatte ich extrem wenig Bewegung, sieht man von gelegentlichen kurzen Spaziergängen und seltenen Besuchen des Schwimmbads ab. Ich habe mich jedoch bemüht, dies in letzter Zeit zu ändern. Können all diese Faktoren die drastische Verschlechterung oder gar eine Stoffwechselentgleisung hervorgerufen haben ? Gibt es eine Chance, die Dekompensation – falls eine solche vorliegt – wieder zu beheben?
  • Welche weiteren Ursachen könnten vorliegen und können Sie eine Empfehlung für die weitere Vorgehensweise geben ? Ich überlege, wieder nach Überlingen zu gehen, weil die Klinik dort auch Fachinstitution für Diabetes ist – vorausgesetzt, ich bekomme kurzfristig einen Platz. Ich hatte eine Foto-Reise nach Amerika geplant, die für die Psyche wohl besser wäre, weil ich mich gerade gedanklich nicht von den schockierenden Werten und den möglichen Konsequenzen lösen kann. Aber bei dieser Befundlage könnte ich wohl nicht unbeschwert diese Reise genießen, zumal ja wohl dringend Handlungsbedarf besteht.

Ich mache mir vor allem Sorgen hinsichtlich der Konsequenzen und Folgeerkrankungen. Meine Eltern hatten ein Alter von 92 bzw 94 erreicht, waren keine Diabetiker und ich hoffte, dass die genetische Konstitution mir im Ruhestand noch ein gutes Stück des Weges erlaubt, zumal meine Cholesterinwerte trotz des bestehenden Übergewichts bislang immer gut waren. Allerdings sind beide Eltern am Schlaganfall bzw. Herzkrankheit verstorben, - auch die ebenfalls betagten Großeltern, - was meine Befürchtungen auf der Basis des erhöhten Risikos bei Diabetes zusätzlich verstärkt. Auch Retinopathie wäre für mich als leidenschaftlichen Fotografen eine schlimme Aussicht.

Ich bitte um Entschuldigung für dieses lange Schreiben und danke Ihnen vorab ganz herzlich für Ihre Ratschläge und Hilfe.

Prof. Dr. Stephan Martin
19.03.2017 10:00:00 Uhr

Die vielen Informationen kann man aus medizinischer Sicht wie folgt zusammenfassen: Sie haben aktuell einen HbA1c von 12,5% obwohl Sie in den vergangenen Wochen 19 kg Gewicht verloren haben. Dabei haben sie an Ihrem Lebensstil nicht viel geändert, außer dass Sie den Süßigkeitenkonsum eingeschränkt haben. Zusätzlich hatten Sie eine Entzündung, sowie viele Toilettenbesuchen, wie Sie schreiben. In der Regel normalisieren sich Blutzuckerwerte bei einem Typ 2 Diabetes komplett, wenn das Gewicht so reduziert wird, da sich dabei die Insulinempfindlichekeit bessert und das körpereigene Insulin wieder wirken kann. Wenn Insulin aber fehlt, kommt es zu einer Gewichtsabnahme, die ist typisch bei Kindern, die einen Typ 1 Diabetes entwickeln. Daher könnte es sein, dass auch bei Ihnen ein Typ 1 Diabetes vorliegt, der dann sicher mit Insulin behandelt werden müsste. Auch bei älteren Personen kann diese Form des Diabetes auftreten. Es müssen aber auch andere Gründe für eine unklare Gewichtsabnahme abgeklärt werden!! Wenden Sie sich daher dringend an Ihren Arzt und überlegen, ob ein Spezialist eingeschaltet wird!


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