Antidiabetika

Antidiabetika: Medikamente zur Diabetes-Behandlung

Für die medikamentöse Behandlung werden – je nach Stadium der Erkrankung und Zustand des Patienten – unterschiedlich wirksame Antidiabetika eingesetzt. Bei der Auswahl berücksichtigt der Arzt das Körpergewicht, Alter, Medikamentenverträglichkeit und Begleiterkrankungen des Patienten. Antidiabetika wirken unterschiedlich, weil sie an verschieden Wirkorten am Körper ansetzen: Sie können die Zuckeraufnahme aus dem Darm hemmen, die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse fördern oder die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin verbessern.

 

Beim Zuckerstoffwechsel beteiligte Organe

Abb. 1 Antidiabetika: unterschiedliche Wirkorte

 

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) erzeugt in speziellen Zellen (Langerhansschen Inseln) das Hormon lnsulin. Dieser Botenstoff ermöglicht die Aufnahme von Glukose in die Körperzellen von Leber, Muskulatur und Fettgewebe. Muskelzellen verbrauchen bei Bewegung Glukose zur Energiegewinnung. Auf der anderen Seite können Muskelzellen Glukose in Form von Glykogen speichern. Die Leber hingegen kann nicht nur Glukose speichern, sondern ist auch in der Lage, Zucker neu zu bilden (Glukoneogenese). Diese Zuckerneubildung sichert die Versorgung von Gehirn und Muskulatur mit Glukose zwischen den Mahlzeiten. Gerade dann, wenn der Zuckerspiegel unter eine kritische Grenze absinkt, wird Glukose aus den Leber- und Muskelspeichern freigesetzt. Sind die Zuckerspeicher in der Leber und den Muskeln aber gefüllt, wird der Zucker in Fett umgewandelt. Auch der Darm hilft, den Blutzuckerspiegel in normalen Grenzen zu halten. Bei Kontakt mit Glukose setzt er einen bestimmten Botenstoff (GLP-1) frei, welcher die Bauchspeicheldrüse anregt, vermehrt Insulin zu bilden, die Verdauung im Magen zu verlangsamen und die Zuckerproduktion in der Leber zu unterdrücken. Auch die Niere hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Blutzuckerregulation. So führt sie normalerweise fast 100% des durch sie filtrierten Zuckers wieder zurück in den Blutkreislauf. Bei hohen Blutzuckerspiegeln kommt es jedoch zu einer Zuckerausscheidung über den Urin. Diese Blutzucker-Konzentration nennt man Nierenschwelle und sie kann im gewissen Rahmen als Blutzuckerselbstkontrolle gesehen werden.

Schreitet die Erkrankung fort, können ab einem bestimmten Zeitpunkt auch in Kombination gegebene orale Antidiabetika den Blutzuckerspiegel nicht mehr wirkungsvoll senken. Ab diesem Zeitpunkt muss ein- bis mehrmals am Tag mit einer Insulinspritze der Wirkstoff ersatzweise vor den Mahlzeiten unter die Haut gespritzt werden. Als Alternative zu Insulin stehen noch so genannte GLP-1-Analoga zur Verfügung, die ebenfalls unter die Haut gespritzt werden. Sie können mit anderen Antidiabetika wie z. B. Metformin, Sulfonylharnstoff und zum Teil auch mit Basalinsulin kombiniert werden.