Diabetes und Psyche

Diabetes und Psyche: viele Diabetiker fühlen sich überfordert

Diabetes ist nicht nur eine ernsthafte körperliche Erkrankung, sondern stellt häufig auch eine erhebliche psychische Belastung dar. Betroffene müssen sich mit ihrer chronischen Krankheit auseinandersetzen und mit Belastungen zurechtkommen, mit denen gesunde Menschen nicht konfrontiert sind. Ernährungsgewohnheiten müssen überdacht und häufig verändert werden. Der Umgang mit Antidiabetika erfordert Wissen, Geduld und Ausdauer. Die Aussicht auf mögliche akute Komplikationen oder Folgeerkrankungen können Ängste und Unsicherheiten schüren. Auch wenn Patienten in speziellen Diabetes-Schulungen lernen, wie sie mit ihrer Krankheit am besten umgehen können, fühlen sich viele von ihnen überfordert und im Stich gelassen. Hinzu kommt, dass Diabetiker ein erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen haben. Insbesondere Depression und Angst sind hier zu nennen: Etwa jeder zehnte Diabetiker zeigt hier überdurchschnittlich häufig Symptome. So steigt beispielsweise das Depressionsrisiko bei einem schon bestehenden Diabetes mellitus Typ 2 um etwa 20 %. Diese psychische Belastung hat auch direkte körperliche Auswirkungen – sie schädigt die Blutgefäße des Diabetikers zusätzlich. Grund genug also, die psychischen Aspekte etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Diabetes und Depression

Diese beiden Erkrankungen beeinflussen sich gegenseitig: Diabetiker erkranken durchschnittlich doppelt so häufig an Depressionen wie Nicht-Diabetiker. Umgekehrt erkranken Menschen mit Depression häufiger an Diabetes Typ 2 als Gesunde. Die genauen Zusammenhänge zwischen Diabetes und Depression sind allerdings noch ungeklärt. Depressionen beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität, sie können auch für die Diabetes-Behandlung ein großes Hindernis darstellen: Viele Diabetiker mit Depressionen haben Probleme, ihren Lebensstil umzustellen, und insbesondere damit, sich mehr zu bewegen, Ernährungsgewohnheiten zu verändern, das Rauchen aufzugeben etc. Auch haben sie größere Probleme, die Antidiabetika wie vereinbart und im Sinne der Therapietreue anzuwenden oder bei Patientenschulungen bis zum Ende durchzuhalten. Besonders bei älteren Diabetikern sind die psychischen Belastungen somit häufig mit einem erhöhten Risiko für Blutzuckerentgleisungen und diabetische Folgeerkrankungen verbunden.

Es ist anzunehmen, dass höchstens die Hälfte aller Krankheitsfälle entdeckt wird. Depressionen können sich unter anderem in Form von tiefer Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Teilnahmslosigkeit, verminderter Konzentration und Aufmerksamkeit, mangelndem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schlafstörungen, Ängsten sowie Mut- und Hoffnungslosigkeit zeigen. Sollten Sie diese Symptome bei sich feststellen und das über einen längeren Zeitraum von mindestens zwei Wochen, vertrauen Sie sich unbedingt Ihrem Arzt an!

Denn weil die Symptome eher unspezifisch sind oder Patienten sie manchmal nicht benennen oder beschreiben können oder möchten, ist es für den Arzt meist schwierig, eine Depression im Rahmen einer normalen Untersuchung zu erkennen. Er muss daher gezielt nachfragen und mit dem Patienten möglichst offen sprechen, um eine Depression aufdecken zu können. Das genauere Hinschauen lohnt sich allerdings: Depressionen bei Diabetikern können durch eine Behandlung mit Psychotherapie, Antidepressiva oder einer Kombination beider Strategien gut und effektiv behandelt werden, sodass sich ihr Gesundheitszustand deutlich verbessern kann.

 

Diabetes und Angststörungen

Neben Depressionen zeigen sich bei Diabetikern auch häufig Angststörungen. Auch zwischen Diabetes mellitus und Angststörungen bestehen Wechselwirkungen: Ängste können beispielsweise eine gute Blutzuckereinstellung und die Diabetesbehandlung insgesamt stark erschweren. Die Ängste können unabhängig von der körperlichen Erkrankung auftreten oder einen spezifischen Bezug zur Diabeteserkrankung haben.

Es gibt beispielsweise die Angst vor Unterzuckerungen oder den Folgeerkrankungen sowie die Angst vor Insulinspritzen. Ängste können aber auch weitere Bereiche betreffen: So kann aus Angst vor dem Zunehmen eine Essstörung entstehen. Ein bekanntes Verhalten bei essgestörten Diabetikern ist das sogenannte „Insulin-Purging“. Dabei spritzen sich betroffene Diabetiker bewusst zu wenig Insulin, um über den Urin vermehrt Glukose auszuscheiden und so Kalorien einzusparen. Der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel gefährdet allerdings die Gesundheit und führt deutlich früher zu Schäden an Gefäßen und Nerven als bei nicht essgestörten Patienten. Ebenso wie bei Depressionen ist es bei Verdacht auf eine Angststörung wichtig, die Beschwerden offen anzusprechen und sich Hilfe zu suchen. Betroffene Diabetiker können sich in einem ersten Schritt an ihren Hausarzt wenden. Bei Angststörungen bringen Verhaltenstherapien die besten Erfolge.