Diabetes Notfall

Diabetes und Notfall: reagieren Sie richtig!

Akute Unter- oder Überzuckerungen stellen bei einem Diabetiker eine Notfallsituation dar.  Ob und in welchem Umfang sie auftreten, hängt davon ab, wie gut oder schlecht der Stoffwechsel eines Diabetikers eingestellt ist. In beiden Situationen muss sofort reagiert werden!

 

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Eine Unterzuckerung wird auch als Hypoglykämie oder „Hypo“ bezeichnet. Meist verwendet man als Grenzwert zur Definition einer Hypo einen Blutzuckerspiegel von weniger als 50 mg/dl. Jeder Diabetiker, der mit Tabletten oder Insulin behandelt wird, kann eine Unterzuckerung bekommen. Eine Unterzuckerung kann verschiedene Ursachen haben wie z. B. eine zu hohe Insulin-Dosis, außergewöhnliche körperliche Belastung oder zu geringe Nahrungsaufnahme.

Ursachen für eine Unterzuckerung können sein:

  • Überdosierung von Insulin oder oralen Antidiabetika
  • zu geringe Energiezufuhr
  • zu hoher Energieverbrauch durch starke körperliche Belastung
  • Konsum von Alkohol
  • Erbrechen oder Durchfall
  • zu großer Spritz-Ess-Abstand

Als Gegenreaktion aktiviert der Körper das sympathische Nervensystem und schüttet vermehrt das Stresshormon Adrenalin aus. Unter anderem mobilisiert Adrenalin den Speicherzucker in der Leber (Glykogen).

Symptome einer Unterzuckerung:

  • Schwitzen
  • Zittern
  • Herzklopfen
  • Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Heißhunger
  • Schwindel
  • Konzentrations- und Sehstörungen
  • Störungen der Feinmotorik

Fällt die Blutzuckerkonzentration weiter ab, kann es zu einem hypoglykämischen Schock mit Orientierungslosigkeit, Lähmungserscheinungen, Krampfanfall und Bewusstlosigkeit kommen, sodass ein akuter Notfall besteht. Im Folgenden erklären wir Ihnen, was in den unterschiedlichen Zuständen der Unterzuckerung zu tun ist.

Sofortmaßnahmen bei leichter Unterzuckerung (40-60 mg/dl):

  • Aufnahme von 20 g Kohlenhydraten, z. B. 4 Traubenzuckerplättchen oder 200 ml Cola, Limonade oder Fruchtsaft (keine zuckerreduzierten Produkte!)
  • Wiederholung der Maßnahme, wenn nach 15 Minuten der Blutzucker nicht höher als 50-60 mg/dl angestiegen ist. Um den Blutzucker zu stabilisieren, anschließend eine (kleine) Mahlzeit zu sich nehmen, z. B. Obst, Brot, Joghurt

Sofortmaßnahmen bei schwerer Unterzuckerung (< 40 mg/dl):
Person ist noch bei Bewusstsein, zeigt aber Symptome einer schweren Unterzuckerung und kann sich nicht mehr selbst helfen, sodass sie auf Fremdhilfe angewiesen ist:

  • Aufnahme von 30 Kohlenhydraten, z. B. 6 Traubenzuckerplättchen
  • Wiederholung der Maßnahme, wenn nach 15 Minuten der Blutzucker nicht höher als 50-60 mg/dl angestiegen ist. Um den Blutzucker zu stabilisieren, anschließend eine (kleine) Mahlzeit zu sich nehmen, z. B. Obst, Brot, Joghurt.

Sofortmaßnahmen bei Bewusstlosigkeit:

  • Notarzt informieren
  • Stabile Seitenlage
  • Wegen Erstickungsgefahr keine Getränke oder ähnliches einflößen
  • Mund von Essensresten säubern, lockere Zahnprothesen entfernen
  • Glukagon spritzen (subkutan oder intramuskulär in den Oberschenkel)
  • Soforthilfe mit Traubenzucker nach dem Aufwachen

Nach einer Unterzuckerung – unabhängig von deren Schweregrad – sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, wie es dazu kommen konnte und wie Sie Unterzuckerungen zukünftig vermeiden können. Möglicherweise liegt auch eine gestörte Hypoglykämie-Wahrnehmung vor. Dann bemerken Patienten die Warnsymptome nicht und können folglich auch nicht rechtzeitig reagieren. Bei älteren Menschen können die Symptome einer Hypoglykämie beispielsweise mit Durchblutungsstörungen des Gehirns verwechselt werden.

 

Überzuckerung: Übersäuerung und diabetisches Koma

Akute Komplikationen, die bei einem erhöhten Blutzucker auftreten können, sind eine stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes und des Körpers, die sogenannte diabetische Ketoazidose (tritt überwiegend bei Diabetes Typ 1 auf) sowie das hyperosmolare Dehydratationssyndrom (tritt überwiegend bei Diabetes Typ 2 auf). Beide Formen der Stoffwechselentgleisung können unbehandelt zu einem diabetischen Koma bzw. zu einem hyperosmolaren Koma führen.

Die diabetische Ketoazidose ist gekennzeichnet durch Blutzuckerwerte von über 250 mg/dl. Meist ist sie durch Infektionen verursacht. Dem Körper fehlt Insulin, sodass die Körperzellen nicht ausreichend mit Energie versorgt werden können. Der Körper baut nun verstärkt Fett zu Fettsäuren ab. Diese führen zu einer Übersäuerung des Organismus. Die Fettsäuren werden nicht vollständig abgebaut und lassen sich als Ketonkörper im Urin und Blut nachweisen. Die Ursachen können eine zu geringe Insulin-Dosis oder auch eine Infektionen sein

Symptome einer Ketoazidose:

  • Verstärktes Wasserlassen und starkes Durstgefühl
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Acetongeruch in der Atemluft (Geruch nach faulem Obst oder Nagellackentferner)
  • Vertiefte Atmung
  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schwächegefühl
  • Gewichtsverlust

Das hyperosmolare Syndrom entwickelt sich innerhalb von Tagen oder Wochen, wenn über einen längeren Zeitraum zu wenig Wasser aufgenommen wird. Häufig sind ältere Typ 2 Diabetiker davon betroffen sind. Häufige Ursache sind Infektionen oder Fehler in der Insulintherapie. Dabei steigen die Blutzuckerwerte auf über 600 md/dl an und es kommt in Folge zu einem erheblichen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten über den Urin. Dies kann man sich regelrecht als ein Austrocknen des Körpers vorstellen. Häufig liegt gleichzeitig eine leichte metabolische Azidose (Übersäuerung) vor.

Symptome eines hyperosmolaren Dehydratationssyndroms:

  • Müdigkeit
  • häufiges Wasserlassen, vermehrter Durst
  • verschwommenes Sehen
  • Wadenkrämpfe
  • Gewichtsverlust
  • Niedriger Blutdruck
  • Schwindel, Sprachstörungen, Schluckstörungen

Sofortmaßnahmen bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl und erhöhten Ketonwerten (Urinteststreifen ++/+++):

  • Verständigung eines Arztes
  • bei Erbrechen sofortige Aufnahme ins Krankenhaus
  • Insulin spritzen
  • sehr viel trinken
  • Vermeiden körperlicher Anstrengung
  • nicht einschlafen

Grundsätzlich sollte bei diabetischer Ketoazidose und dem hyperosmolaren Dehydratationssyndrom der Arzt entscheiden, ob der Betroffene sofort ins Krankenhaus gebracht werden muss oder man ambulant behandeln kann.